Kindervorsorgeuntersuchungen

Kindervorsorgeuntersuchungen sollen sicherstellen, dass Defekte und Erkrankungen von Neugeborenen, Babys, Kleinkindern und Kindern, insbesondere solche, die eine normale körperliche und geistige Entwicklung des Kindes in besonderem Maße gefährden, möglichst schnell erkannt werden, um früh eine entsprechende Therapie einleiten zu können. Zugleich sollen die Untersuchungen dazu dienen, Fälle von Vernachlässigung, Verwahrlosung, Misshandlung oder sexuellem Missbrauch zu erkennen und einem entsprechenden Fehlverhalten der Erziehungsberechtigten vorzubeugen.

Die Kindervorsorgeuntersuchungen werden im gelbem Kinder-Untersuchungsheft „Gelbes Heft“ des Gemeinsamen Bundesausschusses vom Kinder- und Jugendarzt dokumentiert.

Die Kindervorsorgeuntersuchungen sind ein wesentlicher Bestandteil der Kinderheilkunde in unserer Praxis.  


U1: 1.-4. Lebensstunde

Die U1 dient dazu, Defekte vitaler Funktionen aufzudecken, die sofortiges Handeln erfordern, während die U2 eine ausführliche Untersuchung des Kindes ist, bei der auch ganz besonders Körperhaltung, Motorik und Muskelgrundspannung (Tonus) untersucht werden. Ziel ist die Beurteilung des kindlichen Gesundheitszustandes mit allen Sinnen, die sich aus folgenden Komponenten zusammensetzt:

1. Inspektion: Hautfarbe, Ödeme, Blutungen, Geburtsverletzungen, Angiome, Symmetrie und Beschaffenheit der Fontanellen, Augen, Ohren und des Mundes sowie der Extremitäten (Fußstellung, Faltenasymmetrien), Gelenke, Wirbelsäule.
2. Auskultation: Herz und Lunge (Fragestellung: Herzfehler, Atmungsanomalien)
3. Palpation: Abtasten des Bauches (Tumorsuche), Genitalien (Descensus des Hodens), Leistenpulse, Analregion
Es erfolgt eine Bewertung nach dem Apgar-Score. Zur Untersuchung gehört das Messen und Wiegen des Babys sowie die Untersuchung des Blutes der Nabelschnur. Das Blut aus der Nabelschnur enthält pluripotente Stammzellen und ist möglicherweise in besonderem Maße für spezielle Therapien im späteren Leben des Kindes geeignet.
 

U2:  3.-10. Lebenstag

Die U2 findet in der Regel am dritten Lebenstag eines Säuglings statt. Zumeist wird die Untersuchung noch in der Klinik durchgeführt und beinhaltet die Beurteilung von Haut, Organen, Geschlechtsteilen sowie eine Blutentnahme zum Ausschluss versch. genetisch bedingter Stoffwechselerkrankungen.  Der Test kann frühestens 48 Stunden nach der Geburt durchgeführt werden, da die kindlichen Stoffwechselleistungen erst dann ausreichend entwickelt sind,um repräsentative Laborergebnisse zu erzielen.

Zusätzlich erfolgt eine Sonographie beider Hüften (Hüftultraschall), um eine Hüftdysplasie zu diagnostizieren (bei 1-3% aller Neugeborenen). In den letzten Jahren hat auch der Hörtest Eingang in das Untersuchungskonzept gefunden, da ein frühes Erkennen einer Hörstörung die Möglichkeit bietet, das betroffene Kind in seiner sozialen und emotionalen Entwicklung nachhaltig zu fördern und Sprachentwicklungsstörungen zu vermeiden.

Üblicherweise informiert der untersuchende Arzt im Rahmen dieser Untersuchung auch über Rachitis- und Kariesprophylaxe mit Vitamin-D-Präparaten.
 

U3: 4.-6. Lebenswoche

Die U3 ist meist die erste beim eigenen Arzt in der Praxis stattfindende Untersuchung. Es werden die Körperfunktionen und das Hörvermögen überprüft; spätestens jetzt sollte auch eine Überweisung zum sogenannte Neugeborenen-Hüftscreening erfolgen.
 

U4:  3.-4. Lebensmonat

In den folgenden Untersuchungen (bis U7) wird das Hauptaugenmerk auf die zeitgerechte körperliche Entwicklung des Kindes gelegt, um beispielsweise zerebrale Bewegungsstörungen aufzudecken. Hierbei sollte in der Unterhaltung mit dem Arzt unbedingt über zeitgerechte Impfungen gesprochen werden.

U5: 6.-7. Lebensmonat

Ein Säugling mit 6-7 Monaten wendet seinen Kopf zur Schallquelle, lacht auf Ansprechen, dreht sich nach allen Seiten und beginnt zu "fremdeln". Zu wichtigen Untersuchungszielen bei einem 1/2-jährigen Säugling zählt die Beurteilung von Hör- und Sehfunktionen sowie der Sprachentwicklung, die Beurteilung der motorischen Entwicklung und des Gedeihens. Seine Beweglichkeit um die eigene Körperachse beweist das Kind durch aktives Drehen nach allen Seiten. Die monatliche Gewichtszunahme beläuft sich jetzt auf etwa 500g. Als erster Zahn erscheint in aller Regel ein unterer Schneidezahn.

U6: 10.-12. Lebensmonat

Ein Kind am Ende seines ersten Lebensjahres richtet sich auf, fremdelt und hat in etwa sein dreifaches Geburtsgewicht erreicht. Beim Knaben läßt sich die Vorhaut infolge von Verklebungen noch nicht zurückstreifen. Zu wichtigen Untersuchungszielen gehört beim einjährigen Kind die Überprüfung von Sinnesfunktionen, Sprache und Verhalten, die Überprüfung der Motorik und des Gedeihens. Die Körpermasse hat jetzt etwa das dreifache Geburtsgewicht erreicht. Die Körperlänge beträgt ca. 75 cm. Die motorischen Fähigkeiten gestatten es dem Kind, sich im Raum fortzubewegen, z.B. durch Krabbeln und Kriechen, evtl. auch schon durch erste Schritte an der Hand oder an Möbeln. Die feinmotorische Entwicklung läßt sich am Pinzettengriff ablesen. Das Kind spricht erste Wörter.

U7: 21.-24. Lebensmonat

Ein Kind am Ende seines zweiten Lebensjahres kann Treppen steigen, ist an seiner Umwelt interessiert und spricht 2-bis 3-Wortsätze. Wichtiges Untersuchungsziel in diesem Alter ist die Beurteilung von Sinnesfunktionen, Sprache und Verhalten, der motorischen Fähigkeiten und des körperlichen Gedeihens. Mit 2 Jahren hat das Kind sein Geburtsgewicht vervierfacht. Durch Ausreifung des Gleichgewichtssinnes kann das Kind frei laufen und Treppensteigen. Das selbstständige Essen mit dem Löffel beweist gute feinmotorische Fähigkeiten. Das Kind zeigt richtig auf Körperteile und beginnt, Erwachsene nachzuahmen.

U7a :34. -36. Lebensmonat

Bei der U7a geht es im Wesentlichen um Erkennen und Behandlungseinleitung von allergischen Erkrankungen, Sozialisations- und Verhaltensstörungen, Übergewicht, Sprachentwicklungsstörungen, Zahn-, Mund- und Kieferanomalien. Die U7a ist zum 01.07.2008 als Leistung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) eingeführt worden.

U8: 3,5-4 Jahre

Bei der U8 werden u.a. die Beweglichkeit und Koordinationsfähigkeit des Kindes sowie Reflexe, Muskelkraft, Aussprache und der Zahnstatus untersucht.

U9: 5 Jahre

Die U9 findet im Jahr vor der Einschulung statt und ist damit besonders wichtig. Sie beinhaltet wiederum Tests auf Koordinationsfähigkeit (Grob- und Feinmotorik), das Sprachverständnis sowie das Hör- und Sehvermögen.

U10: 7.-8. Lebensjahr 

Die U10 soll mit U11 die Lücke zwischen U9 (mit etwa 5 Jahren) und J1 (mit etwa 12 bis 14 Jahren) schließen. Schwerpunkte: Erkennen und Behandlungseinleitung von umschriebenen Entwicklungsstörungen (z.B. Lese-Rechtschreib-Rechenstörungen), Störungen der motorischen Entwicklung und Verhaltensstörungen (z.B. ADHS). Die Kostenerstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung ist derzeit nicht einheitlich geregelt.

U11: 9.-10. Lebensjahr 

Schwerpunkte der U11 sind: Erkennen und Behandlungseinleitung von Schulleistungsstörungen, Sozialisations- und Verhaltensstörungen, Zahn-, Mund- und Kieferanomalien, gesundheitsschädigendem Medienverhalten. Diese Untersuchung soll u.a. der Bewegungs- und Sportförderung dienen, den problematischen Umgang mit Suchtmitteln erkennen und verhindern helfen, aber auch gesundheitsbewusstes Verhalten unterstützen (u.a. Ernährungs-, Bewegungs-, Stress-, Sucht- und Medienberatung). Die Kostenerstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung ist derzeit nicht einheitlich geregelt.

J1: 12-13-14 Jahre

Die vorletzte Untersuchung der „U-Reihe“ ist die J1 (Jugendgesundheitsuntersuchung), bei der noch einmal auf Haltungsanomalien untersucht wird. Des weiteren werden der Impfstatus, Blutdruck, besondere familiäre Situationen, schulische Entwicklung, das Gesundheitsverhalten und die Motorik erfasst. Pubertätsentwicklung und Sexualverhalten werden besprochen.

J2: 16.-18. Lebensjahr

Schwerpunkte der letzten Vorsorgeuntersuchung J2 sind: Erkennen und Behandlungseinleitung von Pubertäts- und Sexualitätsstörungen, Haltungsstörungen, Kropfbildung, Diabetes-Vorsorge, Sozialisations- und Verhaltensstörungen. Begleitende Beratung bei der Berufswahl.


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