Mit Kindern auf den Spuren Sebastian Kneipps

Die Kinder von heute sind die gesundheitsbewußten Erwachsenen von morgen...


Ziel der Kneipp- Therapie bei Kindern ist die Stärkung des Immunsystems

Dabei ist eine zwanglose Regelmäßigkeit und Spaß an der Sache gerade für Kinder wichtig. Die Kinder lernen ihren Körper besser kennen und verstehen es, Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen.

Die meisten kennen Sebastian Kneipp nur als „Wasserdoktor“ , der auf ziemlich rauhe Art mit Wasserschlauch und Gießkanne Krankheiten austrieb und gegen die Naturfeindlichkeit der Stadtbewohner wetterte. Pfarrer Kneipp entwickelte jedoch bereits vor rund 100 Jahren ein viel umfassenderes, fein ausbalanciertes Gesundheitsprogramm, das - immer weiterentwickelt - bis heute Teil der medizinischen Therapie ist und genau das trifft, was man heute unter ganzheitlicher Gesundheitsvorsorge versteht. Die 5 Säulen der Kneipp- Therapie setzen sich zusammen aus der Behandlung mit Wasser, der Kräuterheilkunde, der Bewegungstherapie, der Ernährungsmedizin und der Entspannungsmethoden, die zu einem seelischen Ausgleich führen sollen.

Um Kinder an die Heilkraft des Wassers heranzuführen, kann man gut beginnen, indem man sie bei heißem Wetter im Storchengang mit nackten Beinen durch kühles Wasser schreiten läßt. Mutige sind dann später auch für Taulaufen in feuchtem, kaltem Gras zu begeistern. Je jünger die Kinder sind, desto vorsichtiger muß man allerdings mit den Kältereizen sein; sie dürfen nur angewendet werden, wenn der Körper warm ist. Bei Kindern sind im allgemeinen auch schon ganz sanfte Reize ausreichend: man kann sie beispielsweise nach jedem Bad etwas kühler abduschen oder die ganz Kleinen auch nach dem Bad einfach mit einem Tuch abrubbeln, das vorher in kühleres Wasser getaucht wurde.
   
Durch einen wöchentlichen Knieguß oder das „Storchen“ in der mit kühlem Wasser bis zu den Waden gefüllten Badewanne werden die Kinder spielerisch an die wirkungsvolle Wassermedizin gewöhnt. Durch kaltes oder warmes Wasser, harten oder weichen Wasserstrahl, lange oder kurze Anwendungen werden verschieden Reize auf die Haut ausgeübt; die Haut wird dadurch zum einen besser durchblutet und zum anderen wird die Funktion der inneren Organe angeregt und gestärkt. Heilpflanzen in Form von Tees oder Extrakten eignen sich gut als milde Arznei für Kinder. Z.B. helfen Thymiankraut und Spitzwegerich bei Entzündungen der Luftwege, Brombeerblätter und Heidelbeeren gegen Durchfallerkrankungen, Lindenblüten und Holunder bei grippalen Infekten und Anis-, Fenchel-, Kürbis- und Kümmelsamen gegen die sogenannten Dreimonats - Koliken der Säuglinge.

Haltungsschäden, Abnutzungserscheinungen der Gelenke, Verspannungen, Stoffwechselstörungen etc. sind oft Folgeerscheinungen eines Bewegungsmangels. Kinder bewegen sich von Natur aus gern; es ist für ihre Entwicklung und Gesundheit unabdingbar, daß sie ihrem Bewegungsdrang freien Lauf lassen. Alles, was Freude macht und keinen Leistungsdruck verursacht, wird das Kind von sich aus gern regelmäßig unternehmen und führt zu körperlicher und seelischer Ausgeglichenheit: geeignet sind z.B. Schwimmen, Radtouren, Wanderungen, Ballspiele, Gymnastik, Turnen und Bewegungsspiele.

Pfarrer Kneipp riet seinen Patienten, sich eine Schrotmühle zu kaufen und das Getreide selbst zu schroten, da im „Kunstmehl“ keine Kraft mehr sei; heute wissen wir, daß in den industriell gefertigten Auszugsmehlen der Keim und die Randschichten des vollen Korns fehlen und somit diese Mehle wichtige Vitalstoffe wie z.B. Zink, Vitamin B und Nicotinamid entbehren. Gleichzeitig empfahl Kneipp, rohe und unzerkochte Nahrungsmittel zu bevorzugen. Viele seiner Ratschläge sind nahezu identisch mit den heutigen Ernährungsempfehlungen. Damit die Kinder eine solche Ernährungsweise nicht von vornherein boykottieren, sollte man die Ernährungsgewohnheiten schrittweise umstellen und dabei jede Übertreibung und Dogmatisierung vermeiden.

Dem Teil seiner Gesundheitslehre, der sich mit den seelischen und geistigen Verfassungen der Menschen befaßt, räumte Sebastian Kneipp in seiner Therapie einen großen Stellenwert ein; er nannte diesen Teil Ordnungstherapie, denn „Ordnung sei Freiheit“. Für die Gesundheit der Kinder ist die seelische Ausgeglichenheit ganz besonders wichtig.

Schon kleine Defizite können die Entwicklung stören und auch zu körperlichen Krankheiten führen. Und andererseits kann seelisches Wohlbefinden auch entscheidend dazu beitragen, Krankheiten leichter und schneller zu überwinden. Wichtige „Ordnungsfaktoren“ im Kinderleben sind Zeit und Gemeinsamkeit. Aber das Kind braucht auch Zeit für sich allein. Kinder, die bereits erkennbar unter dem Streß des Alltags und der Umwelt leiden und durch die Reizüberflutung selbst keinen Ausgleich mehr finden, können gezielt verschiedene Entspannungsverfahren wie autogenes Training oder Yoga erlernen.

Das Besondere an der Kneipp´schen Lehre ist, daß man die 5 Säulen der Therapie beliebig und individuell nach Situation des Kindes gewichten kann; im Vorschulalter z.B. müssen kaum Bewegungsanreize geschaffen werden, dafür ist dies jedoch der ideale Zeitpunkt, mit der Ernährungserziehung zu beginnen. Das Bundesland Bayern hat 1997 einen landesweiten Modellversuch in 11 Kindergärten gestartet, in dem die Kneipp´sche Lehre den Kindergartenkindern und ihren Eltern in Theorie und Praxis nahgebracht wird.

Die bisherigen Ergebnisse zeigen, daß sich auch bei uns ein solcher Modellversuch sicher lohnt!


Dr. med. Anne Breetholt
 

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